"Mensch und Kosmos" (Kurz-Vortrag 23.05.2009) PDF Drucken E-Mail
Im Rahmen einer "Langen Nacht der Philosophie" hielt Herr Krejci den Eröffnungsvortrag, in dem er das Konzept einer Schule der Philosophie nach klassischem Vorbild vorstellte.

mensch_und_kosmos__-__fotolia_12581945_m.jpgAus heutiger Sicht bieten sich für die Beantwortung der großen Fragen des Lebens zunächst zwei Wege an: Zum einen jener, der Wissenschaft, zum anderen jener der Religion. Die Wisenschaft hat in den letzten 200 Jahren einen Siegeszug angetreten, der sie heute fast schon zu einer Religion gemacht hat. Sie maßt sich eine Erklärungskompetenz über die Welt an, wodurch alle anderen Zugänge als "unwissenschaftlich" abgetan werden.

Tatsächlich, so wies Herr Krejci hin, beschreibt die Wissenschaft nur, ohne tatsächlich zu verstehen. Sie ist heute fast ausschließlich materialistisch geprägt. Sie kennt keinen Gott und auch keine Verantwortung. Der Geist ist für sie bloß ein sekundäres Phänomen. Sie läßt den Menschen zersplittert in einer Welt ohne Sinn und ohne Hoffnung zurück.

Freilich gibt es auch in der Wissenschaft neuere Ansätze, die vor allem durch das Aufkommen der Quantenphysik dem materialistisch-mechanistischen Denken nun nach und nach ein Ende bereiten. Moderne Physiker wie z.B. Amit Goswami sprechen daher heute vom "Geistigen Universum".
Sie verstehen wieder, was schon seit Jahrtausenden in den Philosophieschulen gelehrt wurde, so z.B. daß alles mit allem im Universum verbunden ist.

Alternativ kann sich der Mensch zur Beantwortung seiner Fragen an die Religion wenden. Diese bietet dem Suchenden Sinn, jedoch selten Erklärung. Viele ihrer Richtungen vertreten einen Absolutheitsanspruch. Jegliche Toleranz endet, soweit sie nach außen hin gepflegt wird, spätestens an der Mauer der Glaubensdogmen. Auszunehmen ist hiervon sicherlich der Buddhismus, der einen sehr starken philosophischen Charakter aufweist.

Heute ist die religiöse Landschaft geprägt von unzähligen Gruppen, Grüppchen und Sekten; eine Zersplitterung, die auch vor den großen und einflußreichen Weltreligionen nicht Halt gemacht hat. Problematisch sind dabei die immer wieder auftretenden Dogmen und logischen Widersprüche. Welchen Sinn etwa macht ein "ewiges" Paradies oder eine "ewige" Verdammnis?

Dennoch ist der Wert der Religionen nicht zu schmälern. Sie bieten dem Menschen eine einfache und praktische Moral und schaffen so einen wertvollen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Überdies ist in den meisten Religionen auch ein metaphysischer Kern enthalten, der auch anspruchsvollere Erklärungen bereithält.

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Als dritte große Alternative steht dem Suchenden der Weg der ganzheitlichen Philosophie nach klassischer Art zur Verfügung. Diese besitzt den großen Vorzug, daß sie einen verbindenden Charakter aufweist: In ihr vereinigen sich die Konzepte von Geist und Materie, von Schöpfer und Schöpfung. Ihr Beginn ist die sokratische Bescheidenheit des "Ich weiß, daß ich nichts weiß." Ihr kritischer Geist ist immun gegen Dogmen, ihre Erkenntniswege schließen die Beobachtung der Natur ebenso ein wie das reine Denken. Ihr Ziel ist, das innere Wesen der Dinge zu ergründen.

Historisch hat diese ganzheitliche Philosophie jahrtausendelang vorgeherrscht. Sie hat ethische Normen von höchster Güte entwickelt, wie wir sie noch heute z.B. in altägyptischen Texten studieren können. Sie hat die Grundlage zum Entstehen von Hochkulturen geschaffen, und die Spuren ihres Wissens sind in Überlieferungen der verschiedensten Völker auf allen Kontinenten zu finden.

Diese Philosophie versteht den Kosmos als ein geordnetes Ganzes, sie respektiert eine letzte Ursache, ein Mysterium. Sie versteht das Leben als ein Prinzip, das alles durchdringt vom Staubkorn im Weltall bis zum Menschen und darüber hinaus. Der Mensch ist in dieser umfassenden Betrachtungsweise in ein "göttliches" Gesetz der Entwicklung eingebunden, aus dem sich Sinn und Ziel seines Daseins und eine praktische Ethik erschließen.

Diese philosophische Ethik weist dem Menschen eine aktive Rolle im Rahmen der Evolution und eine Verpflichtung, z.B. im Sinne des Kant´schen Imperativs, zu. Sie stellt das Verbindende über das Trennende und überwindet so alle Formen des Egoismus, der Intoleranz, des Rassismus und der Glaubenskriege.

Zum Abschluß des Vortrages appellierte Herr Krejci daran, diese ganzheitliche Philosophie wieder zu beleben und zu stärken, so wie es Neue Akropolis als Philosophieschule nach klassischer Art seit über 50 Jahren vorschlägt.





Letzte Aktualisierung ( Freitag, 23. Oktober 2009 )
 
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