Viktor E. Frankl, geboren am 26. März 1905 in
Wien, ist der Begründer der so genannten „Logotherapie“, der „dritten
Wiener Richtung der Psychoanalyse“.
Den Thesen Freuds und
Adlers, die den Sexual- bzw. den Machttrieb als zentrales Streben des
Menschen sehen, stellt Frankl die Sinnsuche als Triebfeder des Menschen
gegenüber. Psychische Krankheiten entstünden aus der Unfähigkeit, den
tieferen Sinn des eigenen Lebens wahrzunehmen.
Anders als seine
Vorgänger führt Frankl damit wieder eine geistige Ebene in die
Psychoanalyse ein. Der Mensch ist ein geistiges Wesen, dessen
wichtiges Anliegen es ist, das eigene Leben mit Sinn (griechisch:
„Logos“) zu erfüllen. Diese Aufgabe bewältigt er auch und gerade in der
Auseinandersetzung mit dem Leiden. Jedes Leiden birgt nach Frankl in
sich die Chance, an Erkenntnis und Reife zu wachsen – den Sinn des
Lebens besser zu verstehen.
Leid hat Viktor Frankl erlebt wie wenige
andere: 1937 wird er Leiter der Neurologischen Station des
Rothschild-Krankenhauses in Wien, in der nur noch jüdische Patienten
behandelt wurden. Die Aufforderung zur Tötung geistig Behinderter
umgeht Frankl unter eigener Lebensgefahr durch gefälschte Gutachten.
1944 wird er nach Auschwitz deportiert, seine Eltern und seine Frau
werden von den Nazis ermordet. Im KZ erlebt Frankl, dass der Mensch
selbst in noch so aussichts- und hoffnungslosen Situationen zu einem
würdevollen, sinnerfüllten Leben finden kann.
Neben seinem
Lehrstuhl für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien
doziert Frankl nach dem Krieg auch in Harvard, Stanford, Dallas und
Pittsburgh. In San Diego, Kalifornien, wurde ein eigener Lehrstuhl für
Logotherapie gegründet. Viktor Frankl stirbt am 2. September 1997 im
Alter von 92 Jahren.
Autor: Kathie Honsell