Eine Figur aus Platons Dialog „Das Gastmahl“.
In diesem Werk schildert Platon das Zusammentreffen mehrerer junger und vornehmer Athener mit ihrem weisen Lehrer Sokrates anlässlich eines fröhlichen Gastmahles im Hause des Tragödiendichters Agathon.
Man entschließt sich, reihum Reden über die Liebe und den Gott Eros zu halten; als die Reihe an Sokrates ist, berichtet er, Diotima, eine weise Frau aus Mantinea, habe ihn das Wesen der Liebe
gelehrt. Demnach verkörpere Eros das ständige Sich-Sehnen nach der
Schönheit. Die Sehnsucht erschaffe den Wunsch, "im Schönen zu zeugen“.
Eros ist der Drang des Menschen, etwas Schönes (d.h. in Platons
Terminologie immer gleichzeitig etwas Gutes) zu schaffen, was den
einzelnen Menschen überdauert und ihm so Anteil an der Unsterblichkeit
verschafft. Dieser Schöpfungsprozess kann sich auf physische Kinder, im
seelischen Bereich auf Kunstwerke, Dichtung, Heldentaten oder Ähnliches
beziehen. Die höchste Stufe der Liebe jedoch ist die Schau des an und für sich Schönen und Guten.
Über die Liebe
zu einem einzelnen schönen (= guten) Menschen kann der Liebende –
sofern er eine philosophische Haltung hat – zum Begreifen der Idee der
Schönheit und des Guten gelangen. Mit anderen Worten: die Liebe
als stärkstes und schönstes Gefühl, dessen Menschen fähig sind,
eröffnet uns auch einen Weg zum Erfassen des Göttlichen. Ganz ähnlich
heißt es in dem Musical „Les Misérables“: „To love another person is to
see the face of God ...“