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Philosophischer Abend zum UNESCO Welttag der Philosophie 2008 |
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Seit ungefähr 2002 unterstreicht die UNESCO die Wichtigkeit der Philosophie durch einen eigenen Welttag. In Deutschland hat Neue Akropolis diesen Tag zum Anlaß genommen, um eine Lange Nacht der Philosophie dem Thema "Tugenden und Werte in einer globalisierten Welt - Ist Philosophie wieder aktuell?" zu widmen.
In seiner Eröffnungsrede wies Walter Krejci, Leiter der Neuen Akropolis in Nürnberg, darauf hin, daß das Philosophieren so alt ist wie die Menschheit selbst und daß sich Neue Akropolis seit über 50 Jahren weltweit für jene Ziele der aktiven Toleranz und Völkerverständigung einsetzt, die auch die UNESCO motivieren.
Unzweifelhaft ist gerade in Zeiten einschneidender und globaler Krisen die Philosophie, vor allem jene nach klassischer d.h. praktischer Art, wie sie in Neue Akropolis betrieben wird, wieder besonders gefragt. Wenn sie ihre Aktualität jemals verloren hat, so aufgrund zweier möglicher Ursachen, und zwar:
* Zum einen dort, wo die Philosophie zur reinen intellektuellen Disziplin verkommen ist und sich von der Beantwortung der realen Fragen und Probleme des menschlichen Lebens entfernt hat.
* Zum anderen dort, wo sie sich zur "Magd", Erfüllerin oder gar Sklavin anderer Disziplinen macht, seien diese die Theologie, die Wissenschaft, die Politik oder wie heute gerne üblich die Wirtschaft.
In der Antike umfaßte die Philosophie jedes Feld menschlichen Aurdrucks und menschlichen Ringens um das Wahre, Gute, Schöne und Gerechte. Sie war die große Mutter aller anderen Wissenschaften, die erst aus ihrem Schoß heraus entstanden sind.
Und ihr Ziel war immer die Praxis. Undenkbar ein Sokrates ohne Schierlingsbecher, ein Diogenes ohne Faß oder - in modernerer Zeit - eine Sophie Scholl ohne Flugblätter oder ein Martin Luther King ohne gewaltfreien Widerstand.

Im zweiten Vortrag behandelte Marijana Bosnar näher das Thema der Tugenden bei den großen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles.
Sie führte den Zuhörern vor Augen, was es alles bedarf und was es heißt, wenn jemand, der selbst keine einzige schriftliche Zeile hinterlassen hat, wie Sokrates, nach 2.400 Jahren noch immer weltberühmt ist und als der Prototyp des weisen und tugendhaft lebenden Menschen gilt.
Das letzte Referat stand unter dem Titel "Globale Finanzkrise - Vom Turbokapitalismus mit Volldampf in den Staatszwang. Bevormundung statt ethischer Erziehung?" Walter Krejci wies dabei auf die ganz besondere, aktuell vorherrschende Zeitqualität hin, in der bislang unumstößlich Gültiges bzw. Tonangebendes von einem zum anderen Augenblick in sich zusammenstürzen kann und/oder einem tiefgreifenden Wandel unterzogen wird. Dies gilt für bisweilen fast als allmächtig angesehene Giganten der Wirtschaft (Investmentbanken, Banken, Versicherungen, Automobilkonzerne), ja für die Wirtschaftsordnung sogar insgesamt, wie auch bereits für einzelne Staaten (z.B. Island). Astrologisch betrachtet entspricht dies einer ab 2008 einsetzenden und für mehrere Jahre anhaltenden Konstellation von Pluto in Steinbock.
Aufgrund ihrer nicht immer allzu philosophisch geprägten Weltsicht und Handlungsmuster neigen heutige Staatenlenker leicht zu simplen technokratischen Lösungen im Stile eines Feuerwehreinsatzes. Dadurch kommt es zu einer reinen Symptombehandlung. Die verschrieben Medizin heißt typischerweise Zwang und Kontrolle durch die Staatsmacht und legitimiert sich quasi durch das immer weiter um sich greifende Chaos.

Walter Krejci erinnerte in diesem Zusammenhang an Platon und seine Beschreibung von den Mechanismen gesellschaftlich-moralischen Verfalls und wie z.B. eine Demokratie in eine Tyrannis abgleiten kann. Besonders gefährlich weil unerwartet und heimtückisch wäre die Tyrannis dann, wenn sie nicht wie in der Vergangenheit vom linken oder rechten Rand sondern aus dem politischen Zentrum heraus entstünde.
Zu allen Vorträgen gab es im Publikum eine gute Resonanz, woraus sich den ganzen Abend hindurch noch angeregte Diskussionen entwickelten. Als Ergebnis zeigte sich einmal mehr die die Wichtigkeit und
Dringlichkeit, die philosophisch-ethische Erziehung nach klassischem
Vorbild zu fördern.
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Letzte Aktualisierung ( Montag, 24. November 2008 )
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