Abraxas PDF Drucken E-Mail

abraxas.jpgAbraxas

Die ursprüngliche Schreibweise war Abrasax - das heute geläufige "Abraxas" entstand vermutlich bei der Übertragung aus dem Griechischen (αβραξας) ins Lateinische durch Verwechslung von Sigma und Xi in frühchristlicher Zeit.

Abraxas oder Abrasax ist ein mystisches Wort, das auf den Pythagoreer Basilides aus Alexandria, 90 n. Chr., zurückzuführen ist. Er benutzt Abraxas als einen Titel für Göttlichkeit, die höchste von sieben, und als im Besitz von 365 Kräften. In griechischer Zählweise ist α (a) = 1, β (b) = 2, ρ (r) = 100, α (a) = 1, ξ (x) = 60, α (a) = 1, σ (s) = 200 insgesamt 365, die Tage des Sonnenjahres, also eines solaren Zyklus göttlicher Tätigkeit.

Somit verkörpert Abraxas, genau wie der altiranische Gott Mithras, die Zeit, in der die Sonne einmal den Tierkreis durchwandert und gilt als Symbol des höchsten Urwesens, aus dem nach gnostischer Lehre die fünf Urkräfte (Geist, Wort, Vorsehung, Weisheit und Macht) hervorgehen. Außerdem versinnbildlicht das Wort Abraxas die 7 Planeten, sowie die 7 Stufen zur Erleuchtung des Menschen.

Abraxas war eine Mysteriengottheit, die das Dunkle und das Helle vereinigte. In der frühchristlichen Zeit soll er sogar noch gleichbedeutend gewesen sein mit "unser Vater" und "Herr der Heerscharen", was eine Gleichsetzung mit Mithras und Jahwe (JHWH) bedeutet. Später begann die Kirche jedoch den gnostischen "Herrn der Welt" als Dämon anzusehen und zu verteufeln. Daraufhin begannen satanistische Kulte Abraxas (wiederum einseitig) als ihren Höchsten Herrn für ihre dunklen Rituale einzusetzen.

Der alte Kult um die Mysteriengottheit Abraxas ist bis ins Mittelalter lebendig geblieben und fand in der Renaissance wieder viele Anhänger. Noch heute gibt es viele Künstler, die sich durch den atavistischen Charakter des Abraxaskultes inspirieren lassen.

 

Darstellungen und Attribute:

Abraxas gilt symbolisch als Lichtgestalt, steht für Zeugung, Sieg und Glück.

Die gewöhnliche Darstellung zeigt die Gottheit Abraxas als menschliche Gestalt mit Hahnenkopf. Sie hält in einem Arm einen Schild, in dem anderen eine Peitsche und hat zumeist Schlangenfüße.

Diese Attribute repräsentieren die 5 Urkräfte:

Hahnenkopf: Vorsehung (Phronesis); Verkünder des Tageslichts und des Morgens.

Peitsche bzw. Geißel: Macht (Dynamis); Vertreiben von Geistern.

Schild: Weisheit (Sophia).

Schlangenfüße: Geist und Wort (Logos und Nous).

 

Zauberei / Magie:

Abraxas-Steine mit diesem Wort oder auch mit dem Abbild des hahnenköpfigen Wesens dienen als Amulette zum Schutz gegen negative Kräfte.

Gleichbedeutend mit seiner magischen Kraft gilt auch die Zauberformel Abara-kadabara, welche durch Abraxas geprägt wurde und heute eher als Abrakadabra bekannt ist. Das symbolische Wort Abrakadabra erscheint zuerst in einer medizinischen Abhandlung in Versen von Serenus Sammonicus, der in der Regierungszeit des Kaisers Septimus Severus auf der Höhe seines Ruhmes stand.

Es wurde als eine Zauberformel benutzt und zur Amulettherstellung in Kameen eingraviert oder auf Zauberpapyri geschrieben.

Das Wort "Abrakadabra" ist eine spätere Verfälschung des heiligen gnostischen Ausdrucks "Abraxas", welches selbst eine noch frühere Verfälschung eines heiligen und alten koptischen oder ägyptischen Wortes ist. das in diesem Zusammenhang die magische Formel "Verletze mich nicht" bedeutet. Seine Hieroglyphe bzw. Inschrift wurde im allgemeinen einem Amulett oder Talisman beigefügt und als ein Djed auf der Brust unter der Kleidung getragen.

Verfälschungen von heiligen Worten, die dann im Volk eine eigenständige magische Bedeutung erlangen, zeigt sich auch bei „Hokuspokus fidibus". Diese Formel entstammt den lateinischen Worten der Wandlung während des Abendmahlrituals in der christlichen Messe (Hoc est corpus...).

 

Gott oder Teufel

Carl Gustav Jung beschreibt in seinen "Septem Sermones ad Mortuos" den Abraxas als einen "Gott über Gott" , als einen "Gott, von dem Ihr nicht wusstet, denn die Menschen vergaßen ihn. Wir nennen ihn mit seinem Namen ABRAXAS. Er ist noch unbestimmter als Gott und Teufel."

"Er ist noch unbestimmter als Gott und Teufel. Um Gott von ihm zu unterscheiden, nennen wir Gott Helios oder Sonne. Der Abraxas ist Wirkung, ihm steht nichts entgegen, als das Unwirkliche, daher seine wirkende Natur sich frei entfaltet. Das Unwirkliche ist nicht, und widersteht nicht. Der Abraxas steht über der Sonne und über dem Teufel. Er ist das unwahrscheinlich Wahrscheinliche, das unwirklich Wirkende. Hätte das Pleroma ein Wesen, so wäre der Abraxas seine Verdeutlichung. Er ist zwar das Wirkende selbst, aber keine bestimmte Wirkung, sondern Wirkung überhaupt. Er ist unwirklich wirkend, weil er keine bestimmte Wirkung hat. Er ist auch Kreatur, da er vom Pleroma unterschieden ist. Die Sonne hat eine bestimmte Wirkung, ebenso der Teufel, daher sie uns viel wirksamer erscheinen als der unbestimmbare Abraxas. Er ist Kraft, Dauer, Wandel." (Carl Gustav Jung: "Septem sermones ad Mortuos (1916) - Sermo 2; basiert auf den gleichnamigen Werken von Basilides, die er in Alexandria, der Stadt, in der sich Osten und Westen berühren, niederschrieb.

 

Literatur / Kunst:

 "...unser Gott heißt Abraxas , und er ist Gott und ist Satan, er hat die lichte und die dunkle Welt in sich.(...) Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muß eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heißt Abraxas ."

(Hermann Hesse )

In Hermann Hesses Roman „Demian" findet ein Abraxas-Amulett Erwähnung, ferner wird der Mythos "Abraxas" kurz in seinem Zusammenhang erläutert.

 

In Otfried Preußlers Kinderbuch „Die kleine Hexe" (1957 ) heißt der weise Rabe der kleinen Hexe Abraxas. Auf seine Ratschläge hin, wandelt sich die kleine Hexe in eine „gute Hexe" und besiegt die dunklen Kräfte der schwarzen Magie.

 

Auf dem Therion -Album "Lemuria" ist der neunte Titel Abraxas gewidmet. Thomas Karlsson schreibt dort unter anderem: "Das Zeichen des Abraxas / Der Kreis des Sonnenjahres / Tief im Winter wirst du sehen, wie die Sonne geboren wird."

 

Abraxas ist auch der Name eines der erfolgreichsten Alben von Carlos Santana mit dem wohl bekanntesten Song: "Black magic woman".

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 14. Juli 2008 )
 
Weiter >